(1931, Edersee-Region) Einer der grausamsten Eingriffe in eine Dorfgemeinschaft – Tannried musste...
Handlungszusammenfassung Im Waldecker Land wurde in den frühen 1930er-Jahren für die Talsperre an der Eder das Seitental von Tannried geflutet. Alle Bewohner wurden umgesiedelt, die Toten des Friedhofs umgebettet — bis auf die Familie Vehlow, die sich weigerte, ihre Gräber freizugeben, ihr Haus zu verlassen und die Entschädigung anzunehmen. Der Hof, höher gelegen als das übrige Dorf, versank zuletzt. Ob Beamte beim Räumen eine leere Stube fanden oder die fünf Erwachsenen am großen Eichentisch sitzend antrafen, bleibt in den Überlieferungen offen; an genau dieser Stelle bricht jeder Bericht ab. In den Verzeichnissen der umgesiedelten Haushalte steht bei den Vehlows als einzigem Eintrag kein Zielort und kein Betrag, nur das Wort unbekannt. In extremen Trockenjahren, wenn der Spiegel des Speichers weit sinkt, taucht der Kamin des Hofes wieder auf; einzelne Taucher berichten von unversehrtem Glas in den Fenstern, einem warmen, lampenähnlichen Licht hinter den Scheiben und sitzenden Gestalten um einen dunklen Tisch, die sich nicht rühren. Dies ist ein fiktionales Werk im dokumentarischen Format. Namen, Orte und Institutionen wurden verändert oder frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten mit realen Personen sind reiner Zufall.
