Der Mann, der nach Blut roch: Die Geschichte des Haupthenkers der UdSSR

Die ersten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren in Russland keine normalen Zeiten. Das Kaiserreich bebte, die Arbeiterbewegung brodelte, die Revolution von neunzehnhundertfünf erschütterte das System. Und Pjotr Maggo stand auf der Seite des Zaren. Er beteiligte sich an der Niederschlagung der Aufstände — ein junger Mann aus einfachen Verhältnissen, der gegen die Revolution kämpfte. Man könnte darin eine frühe Prägung lesen: Er lernte schon damals, dass Gewalt folgenlos bleiben kann, wenn sie im Auftrag der Macht geschieht. Dann kam der Erste Weltkrieg, und Maggo meldete sich freiwillig. Als die Bolschewiki neunzehnhundertachtzehn die Macht ergriffen, wechselte er die Seite — ohne Zögern, ohne erkennbare ideologische Erschütterung. Er trat der bolschewistischen Partei bei. Nicht weil er überzeugt war. Sondern weil es das Vernünftigste war, was ein Mann ohne Vermögen und ohne Perspektive in diesem Augenblick tun konnte. Die Bolschewiki hatten gerade die Tscheka gegründet — die Allrussische Außerordentliche Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage, bekannt unter dem Kürzel WTscheKa. Das war die erste Geheimpolizei des Sowjetstaates, Vorläuferin aller späteren Repressionsbehörden: der GPU, der OGPU, schließlich des NKWD — des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten, das später zum Symbol des stalinistischen Terrors werden sollte. Die Tscheka war von Anfang an nicht dazu gedacht, Verbrechen zu untersuchen. Sie war dazu gedacht, Feinde zu vernichten. Und Feinde gab es überall — in der Theorie des Bolschewismus sowieso, in der Praxis des Bürgerkriegs erst recht.